{"id":33541,"date":"2023-03-13T18:12:18","date_gmt":"2023-03-13T22:12:18","guid":{"rendered":"https:\/\/glg.tempsite.space\/articles\/what-happened-to-silicon-valley-bank-3\/"},"modified":"2025-10-21T12:28:49","modified_gmt":"2025-10-21T16:28:49","slug":"what-happened-to-silicon-valley-bank","status":"publish","type":"insight-article","link":"https:\/\/glginsights.com\/de\/articles\/what-happened-to-silicon-valley-bank\/","title":{"rendered":"Der Fall Silicon Valley Bank: Was ist passiert?"},"content":{"rendered":"<p><em>Diese Telefonkonferenz fand am Freitag, den 10. M\u00e4rz 2023 statt \u2013 nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Schlie\u00dfung der SVB.<\/em><\/p>\n<div>\n<p>Am 10. M\u00e4rz brach die Silicon Valley Bank (SVB) zusammen und wurde von den US-Aufsichtsbeh\u00f6rden \u00fcbernommen. Nach einer Kapitalkrise und einem \u201eklassischen&#8220; Bankrun erfolgte der vollst\u00e4ndige Zusammenbruch der SVB innerhalb von nur 48 Stunden. Um unseren Kunden zu diesem Ereignis kurzfristig eine fundierte Expertenmeinung zu vermitteln, organisierte Jackie Murphy von GLG noch am selben Tag eine Telefonkonferenz mit Stephen Curry, GLG Netzwerkmitglied und ehemaliger CEO der Gateway First Bank. Im Folgenden finden Sie die wesentlichen Aussagen dieser Telefonkonferenz:<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Was genau ist in den letzten 24 Stunden passiert ist und wo stehen wir jetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufsichtsbeh\u00f6rden mussten schnell handeln, um zu verhindern, dass sich die Situation noch weiter verschlechtert. Sie h\u00e4tten diesen Schritt nicht unternommen, wenn die Bank \u00fcber ausreichendes Kapital oder ausreichende Liquidit\u00e4t verf\u00fcgt h\u00e4tte. Daran k\u00f6nnen Sie erkennen, dass in der Bilanz ein erhebliches Loch klaffen muss, das wir aktuell nicht quantifizieren k\u00f6nnen. In einer Situation wie dieser beschleunigen sich Einlagentransfers manchmal sehr schnell, und es dauert eine Weile, bis sie alle bearbeitet werden k\u00f6nnen. Ich habe vergleichbare Situationen gesehen und bin mir sicher, dass das Management und vielleicht auch die Aufsichtsbeh\u00f6rden von dem Ausma\u00df \u00fcberrascht waren. Entsprechend schnell wollten sie reagieren.<\/p>\n<p>Es gilt, in einem solchen Fall die m\u00f6gliche Ansteckung der gesamten Branche abzuwenden. Das systemische Risiko muss so weit wie m\u00f6glich minimiert werden. Deshalb wurde die Bank unter eine so genannte Zwangsverwaltung gestellt \u2013 unter die Kontrolle einer neuen Bank, die direkt von der US-Einlagenversicherungsgesellschaft FDIC verwaltet wird. Ab diesem Zeitpunkt werden die Regulierer keine schnellen Schritte mehr machen, sondern sehr methodisch vorgehen, weil sie \u00fcber einen sehr guten Handlungsplan einer Bank f\u00fcr solche Situationen verf\u00fcgen. Dies ist sicherlich der gr\u00f6\u00dfte Vorfall dieser Art seit Washington Mutual, einer Bank, die 2008 zusammenbrach. Aber in gewisser Weise ist die SVB noch gr\u00f6\u00dfer. Es gibt hier sehr viele Einleger mit einer hohen Konzentration aus einer Branche. Also wird man sich bem\u00fchen, das Konkursverfahren so objektiv und schnell wie m\u00f6glich durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Was ist der Unterschied zwischen einer beh\u00f6rdlichen Schlie\u00dfung und einem vollst\u00e4ndigen Zusammenbruch? Gibt es \u00fcberhaupt eine Chance f\u00fcr die Silicon Valley Bank, wiederbelebt zu werden?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist h\u00f6chst unwahrscheinlich, dass die SVB zur\u00fcckkommen kann. Der einzige Weg zur Wiederbelebung w\u00e4re eine private Kapitalbeschaffung. Da im letzten Jahr aber Liquidit\u00e4t in Billionenh\u00f6he aus dem System abgezogen wurde, ist die Kapitalbeschaffung derzeit weit schwieriger als einst. Es ist unwahrscheinlich, dass eine private Investorengruppe das stemmen k\u00f6nnte. Ich glaube, die Aufsichtsbeh\u00f6rden h\u00e4tten auch Angst davor, die Bank wiederzubeleben, um dann bald wieder vor denselben Problemen zu stehen.<\/p>\n<p><strong>Wie werden die Verm\u00f6genswerte von Firmenkunden wie beispielsweise Schatzanweisungen, die bei der SVB gehalten werden, im Rahmen des Insolvenzverfahrens behandelt? Werden diese Firmenkunden auf diese Verm\u00f6genswerte zugreifen k\u00f6nnen oder werden sie als nicht versicherte Einlagen behandelt?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn es sich um Depotkonten handelt, ist das etwas anderes als ein Verwahrkonto. Da die Konkursverwaltung in Kraft getreten ist, befindet sich alles in einer rechtlichen Schieflage. Es ist also unwahrscheinlich, dass am Montag etwas passiert, wenn die Kunden zum Beispiel Zugang zu diesen Wertpapieren haben wollen. Es mag zwar eine gewisse Bereitschaft bestehen, hinter den Kulissen daran zu arbeiten, aber ich w\u00fcrde vermuten, dass es vorher eine gewisse Kl\u00e4rung geben muss, bevor das geschieht. Ich w\u00fcrde nicht erwarten, dass Depotwerte in irgendeiner Weise der Zwangsverwaltung unterliegen, au\u00dfer dass es ein wenig kompliziert ist, sie aus der Verwahrung zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>Gibt es au\u00dfer der SVB noch andere Banken, die gerettet werden m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Bank hatte eine sehr hohe Konzentration von Verm\u00f6genswerten und Wertpapieren \u2013 mehr als 50 Prozent. Das ist im Bankensektor sehr ungew\u00f6hnlich. Au\u00dferdem waren ihre Einlagen und Investitionen nicht gleichwertig finanziert. Es bestand also ein erhebliches Risiko, dass institutionelle Gelder, die in Commercial BDAs, auf dem Geldmarkt, in Einlagenzertifikaten und auf Cash-Management-Konten gebunden waren, \u00fcber Nacht zu hei\u00dfem Geld werden konnten.<\/p>\n<p>Bisher hat der Bankensektor die steigenden Zinss\u00e4tze eher als ein Zinsrisiko denn als ein Liquidit\u00e4tsrisiko betrachtet. Bei ihren Stresstest-Szenarien hat die Branche den gro\u00dfen Block an illiquiden Wertpapieren \u2013 der unter Druck kommen w\u00fcrde \u2013 nicht richtig eingepreist. Es wurde einfach nicht ber\u00fccksichtigt, was die Nettokosten f\u00fcr diese Kapitaltranchen sind, wenn man gezwungen w\u00e4re, zu verkaufen. Das bedeutet: Einige Bilanzen gro\u00dfer Institute sehen pl\u00f6tzlich signifikante Verkaufsportfolios zur St\u00fctzung der Eigenbilanz vor. Diese Daten sind \u00f6ffentlich einsehbar und stellen eine ziemlich hohe prozentuale Quote in Bezug auf die Gesamtkapitalisierung dar. Das ist etwas, was man im Auge behalten sollte.<\/p>\n<p>Aber einiges davon liegt auch au\u00dferhalb des Blickfelds. Hintergrund: Nicht realisierte Marktwertgewinne oder -verluste m\u00fcssen bei Wertpapieren, die mit einer \u201eHaltedauer bis zur F\u00e4lligkeit\u201c klassifiziert sind, nicht gemeldet werden. Dazu gibt es keine Informationen. Die einzige M\u00f6glichkeit, an diese Daten heranzukommen, ist ein Blick auf die F\u00e4lligkeit des Wertpapierportfolios. Und wenn das Wertpapierportfolio einen erheblichen Anteil an mittel- oder langfristigen Engagements aufweist, dann ist das ein klares Warnsignal!<\/p>\n<p>Wachsam sollte man auch bei den Gesch\u00e4ften mit institutionellen Kunden sein. Dazu z\u00e4hlen Korrespondenzbanken f\u00fcr Hypotheken- oder Bankgesch\u00e4fte oder andere institutionelle Dienstleistungen wie beispielsweise Verwahrdienste. Ich glaube allerdings nicht wirklich, dass diese Banken ein vergleichbares Problem haben werden.<\/p>\n<p>Zudem sollte man bei Banken, die einen bedeutenden Anteil an vermittelten Einlagenzertifikaten aufweisen, genau hinschauen. Ich gehe davon aus, dass sich die Aufsichtsbeh\u00f6rden jetzt sehr stark auf Liquidit\u00e4t und entsprechende \u00dcberpr\u00fcfungen konzentrieren werden. Banken ohne angemessene Liquidit\u00e4t werden Anrufe erhalten und aufgefordert, dieses Problem zu l\u00f6sen oder neues Kapital zu beschaffen \u2013 oder sogar beides.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><strong>\u00dcber Stephen Curry<\/strong><\/h2>\n<p>Stephen Curry ber\u00e4t seit \u00fcber 15 Jahren Managementteams und Vorst\u00e4nde von nationalen und regionalen Banken, Finanzdienstleistungsunternehmen, Start-ups und privaten Investorengruppen.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><strong>Fragen, die w\u00e4hrend der Telefonkonferenz gestellt wurden:<\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li>K\u00f6nnen Sie uns zun\u00e4chst einen \u00dcberblick dar\u00fcber geben, was in den letzten 24 Stunden passiert ist und wo wir jetzt stehen?<\/li>\n<li>Worin besteht der Unterschied zwischen einer beh\u00f6rdlichen Schlie\u00dfung und einem vollst\u00e4ndigen Zusammenbruch? Gibt es eine Chance f\u00fcr die Silicon Valley Bank, wiederbelebt zu werden?<\/li>\n<li>Wie werden die Verm\u00f6genswerte von Firmenkunden, die sich in der Bank befinden wie beispielsweise Treasury Bills, im Rahmen des Konkursverfahrens behandelt? Und werden Firmenkunden in der Lage sein, auf diese Verm\u00f6genswerte zuzugreifen, oder werden sie als nicht versicherte Einlagen behandelt?<\/li>\n<li>Wenn wir \u00fcber die Venture-Capital-Landschaft nachdenken und dar\u00fcber, wie viel Kapital sich in der Silicon Valley Bank befand: Welche Banken sind Ihrer Meinung nach in der Lage, von all diesen \u00fcbersch\u00fcssigen Barmitteln zu profitieren?<\/li>\n<li>Wie sieht dieser Prozess m\u00f6glicherweise aus? Wie schnell k\u00f6nnte das auf den Markt kommen?<\/li>\n<li>Ist die SVB ein Einzelfall oder gibt es andere Banken, die selbst in Gefahr sein k\u00f6nnten, in eine \u00e4hnliche Situation zu geraten?<\/li>\n<li>Welches sind die Indikatoren oder Warnsignale, auf die wir zu diesem Zeitpunkt besonders achten sollten \u2013 im Hinblick auf ein allgemeines Ansteckungsrisiko sowie auf potenziell l\u00e4ngere Fristen f\u00fcr die Sanierung der SVB-Gl\u00e4ubiger im Speziellen? Welche Priorit\u00e4t hat die Auszahlung nicht versicherter Einlagen oder nicht versicherter Einlagen gegen\u00fcber den FHLB-Vorsch\u00fcssen?<\/li>\n<li>Wenn ein Unternehmen einen Gro\u00dfteil seiner Gelder bei der SVB hat: Wie kann es mit dem derzeitigen Szenario umgehen? K\u00f6nnte die Fed eingreifen und der Silicon Valley Bank mit einigen ihrer Wertpapiere als Sicherheiten Liquidit\u00e4t verschaffen?<\/li>\n<li>Wie stehen die Chancen, dass die Aufsichtsbeh\u00f6rden den sehr gro\u00dfen Banken eine Ausnahmegenehmigung erteilen k\u00f6nnten, um die Einlagenobergrenze zu umgehen?<\/li>\n<li>Welche Aufsichtsbeh\u00f6rde hat in diesem Szenario die letzte Kontrolle? Ist es die FDIC oder die kalifornische Bankenaufsicht?<\/li>\n<li>Wie beurteilen Sie die Risikoverteilung \u00fcber die SVB hinaus?<\/li>\n<li>W\u00fcrden die den Einlegern von der FDIC ausgestellten Zertifikate von anderen Banken als Sicherheiten akzeptiert werden, um eine gewisse Zwischenliquidit\u00e4t zu erhalten?<\/li>\n<li>Inwieweit sind Sie mit der First Republic und ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit vertraut, und wie \u00e4hnlich ist sie der Silicon Valley Bank?<\/li>\n<li>Hat die Silicon Valley Bank die Liquidit\u00e4tsanforderungen f\u00fcr einen Fall wie diesen erf\u00fcllt?<\/li>\n<li>Eine gesonderte Frage zu Fintechs, die die Silicon Valley Bank f\u00fcr ihre Zahlungssysteme nutzen: Besteht ein Risiko in Bezug auf die Gesch\u00e4ftskontinuit\u00e4t und m\u00f6gliche Verluste f\u00fcr diese Unternehmen?<\/li>\n<li>Wie begr\u00fcndete die SVB die Tatsache, dass mehr als 50 Prozent ihrer Verm\u00f6genswerte in Wertpapieren angelegt sind?<\/li>\n<li>Wenn Sie in diesem Szenario ein Investor w\u00e4ren, worauf w\u00fcrden Sie am meisten achten?<\/li>\n<li>Was w\u00fcrden Sie den Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern aufgrund Ihrer Erfahrung mit auf den Weg geben wollen?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":19675,"template":"","insight-type":[1736],"insights-tag":[],"insights-category":[1858],"class_list":["post-33541","insight-article","type-insight-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","insight-type-article","insights-category-global-economy"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article\/33541","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/insight-article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"insight-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-type?post=33541"},{"taxonomy":"insights-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-tag?post=33541"},{"taxonomy":"insights-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-category?post=33541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}