{"id":33240,"date":"2022-03-31T17:18:01","date_gmt":"2022-03-31T21:18:01","guid":{"rendered":"https:\/\/glg.tempsite.space\/articles\/russian-sanctions-will-have-global-repercussions-2\/"},"modified":"2025-10-21T12:28:49","modified_gmt":"2025-10-21T16:28:49","slug":"russian-sanctions-will-have-global-repercussions","status":"publish","type":"insight-article","link":"https:\/\/glginsights.com\/de\/articles\/russian-sanctions-will-have-global-repercussions\/","title":{"rendered":"Russland-Sanktionen mit globalen Auswirkungen"},"content":{"rendered":"<p>Russlands eigenm\u00e4chtiger Einmarsch in die Ukraine hat eine beispiellose Reihe von Finanzrestriktionen und Exportkontrollen des Westens ausgel\u00f6st, die die Wirtschaft des Aggressors lahmlegen und die Kriegsanstrengungen untragbar machen sollen. Die massiven Sanktionen unter F\u00fchrung der Vereinigten Staaten fallen in eine Zeit, in der die globalen Lieferketten wegen der COVID-19-Krise bereits Turbulenzen ausgesetzt waren.<\/p>\n<p>Die westlichen L\u00e4nder suchen nach Alternativen zu russischen Rohstoffen, und viele westliche Unternehmen und Finanzinstitute meiden Gesch\u00e4fte mit Moskau, weil sie bef\u00fcrchten, gegen Sanktionen oder Ausfuhrkontrollen zu versto\u00dfen oder sich dem moralischen Druck von Interessengruppen auszusetzen. Aber nicht jedes Land kann oder will Russland isolieren und auf seine Rohstoffe verzichten. Russland ist nach wie vor ein wichtiger Energielieferant und exportiert gro\u00dfe Mengen an Getreide und D\u00fcngemitteln.<\/p>\n<p>China und Indien, die beiden bev\u00f6lkerungsreichsten L\u00e4nder der Welt, wollen trotz erheblicher Hindernisse in Bezug auf W\u00e4hrung und Logistik weiterhin mit Russland Handel treiben.<\/p>\n<h2><strong>China<\/strong><\/h2>\n<p>China braucht Russlands Energie und andere Rohstoffe, ist besorgt \u00fcber die westlichen Sanktionen und hat ein Interesse daran, seine Abh\u00e4ngigkeit vom US-Dollar zu verringern und den extraterritorialen Sanktionen der USA m\u00f6glichst zu entgehen. Wie gro\u00df die Belastungen sein werden, h\u00e4ngt von den n\u00e4chsten wirtschaftspolitischen Schritten des Landes ab \u2013 einschlie\u00dflich der W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t, dem Handel mit westlichen L\u00e4ndern und dem Wunsch, sich nicht von einem einzigen Lieferanten abh\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n<p>Sowohl China als auch Russland haben ein Interesse daran, die Wirkung westlicher Sanktionen zu verringern, und k\u00f6nnten alternative Zahlungswege einrichten, um den Handel aufrechtzuerhalten. Ihre Interessen sind jedoch unterschiedlich \u2013 Russland ist m\u00f6glicherweise viel eher als China bereit, auf Wirtschaftswachstum und Investitionen zu verzichten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit L\u00e4nder wie Indien, die T\u00fcrkei oder Brasilien diese Finanzkan\u00e4le f\u00fcr den russischen Handel nutzen w\u00fcrden, und ob diese durch Chinas eigene wirtschaftspolitische Priorit\u00e4ten eingeschr\u00e4nkt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Gleichwohl geh\u00f6ren chinesische Banken zu denjenigen, die sich Sorgen \u00fcber eine direkte Verletzung der Sanktionen machen. Sie wollen nicht mit Geldstrafen belegt werden, wenn sie US-Dollar-M\u00e4rkte f\u00fcr den Handel mit Russland nutzen.<\/p>\n<p>Das Land m\u00f6chte sich auch nicht zu sehr von Russland als Lieferanten abh\u00e4ngig machen, sodass es wahrscheinlich ist, dass China seine Handelsbeziehungen weiter ausbalancieren wird. Gleichzeitig wird es nach langfristigen Alternativen zu dem an die USA gebundenen Zahlungsverkehr suchen und seine Lieferketten unabh\u00e4ngiger von Nordamerika machen.<\/p>\n<h2><strong>Indien<\/strong><\/h2>\n<p>Indien ist ein wichtiger Abnehmer von Lebensmitteln aus Russland und der Ukraine und m\u00f6chte die Vorteile des verg\u00fcnstigten russischen Kraftstoffs nutzen, den europ\u00e4ische K\u00e4ufer und einige asiatische Raffinerien ablehnen.<\/p>\n<p>Indiens Energiegesch\u00e4fte sind theoretisch legal, aber schwierig. Aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe des russischen Energiemarktes wurden die Sanktionen so formuliert, dass viele Energietransaktionen m\u00f6glich sind \u2013 sogar unter Verwendung des US-Dollars und verwandter W\u00e4hrungen. Da Indien jedoch bef\u00fcrchtet, in die Enge getrieben zu werden, k\u00f6nnte es immer noch nach neuen Zahlungswegen suchen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr Indiens weiteren Handel mit Russland ist der Umgang mit zwei lediglich halb konvertierbaren W\u00e4hrungen: dem Rubel und der Rupie. Der Rubel ist aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen der russischen Regierung zunehmend nicht konvertibel geworden. Es ist unklar, wie das funktionieren wird, aber Indien wird ein Vorreiter f\u00fcr L\u00e4nder sein, die ein Interesse daran haben, niedrige Lebensmittel- und Kraftstoffpreise zu gew\u00e4hrleisten und gleichzeitig nicht mit extrem komplizierten Sanktionen, Kapitalkontrollen und Einschr\u00e4nkungen bei Versand und Logistik in Konflikt zu geraten.<\/p>\n<h2><strong>Die Rolle von Kryptow\u00e4hrungen<\/strong><\/h2>\n<p>Einige L\u00e4nder k\u00f6nnten versucht sein, alternative Transaktionen wie Kryptow\u00e4hrungen zu nutzen, um den Handel am Laufen zu halten. Sicherlich hat es kurz vor und nach der Invasion eine Flucht in Bitcoin und andere Kryptow\u00e4hrungen gegeben. Diese Transaktionen sind jedoch nicht gro\u00df genug, um das Ausma\u00df der Finanztransaktionen zu bew\u00e4ltigen, die weiter in Russland ein- und ausgehen werden. Dar\u00fcber hinaus hat die russische Regierung Kapitalverkehrskontrollen eingef\u00fchrt, damit russische Unternehmen Kryptow\u00e4hrungen nur noch begrenzt nutzen k\u00f6nnen. Das soll den Druck auf den Rubel reduzieren.<\/p>\n<h2><strong>Lieferketten und Inflation<\/strong><\/h2>\n<p>Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland haben jedoch nicht nur Auswirkungen auf die W\u00e4hrungsm\u00e4rkte und die Wirtschaftspolitik. Eine der gr\u00f6\u00dften Auswirkungen k\u00f6nnte sich auf die Energie- und Lebensmittelpreise ergeben.<br \/>\nIn der Lebensmittelversorgungskette gibt es mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen. So haben beispielsweise einige Reedereien beschlossen, den Handel mit Russland einzustellen. Das bedeutet, dass selbst wenn ein anderes Land russischen Weizen kaufen m\u00f6chte, nicht klar ist, wie er dorthin gelangt. Der Konflikt k\u00f6nnte zudem die Aussaat in der Ukraine einschr\u00e4nken. Fr\u00fchere Sanktionen gegen Wei\u00dfrussland und steigende Erdgaspreise erh\u00f6hen auch die Kosten f\u00fcr D\u00fcngemittel.<\/p>\n<p>All diese Fragezeichen in Bezug auf Finanzen und Logistik erschweren das ohnehin schon schwierige Jahr, in dem die Welt gerade dabei war, sich auf eine Normalisierung der globalen Politik und die anhaltenden COVID-19-Lockdowns in China einzustellen.<\/p>\n<p>Und nicht zu vergessen: Die Pandemie ist immer noch im Gange, vor allem in China. Die damit verbundenen Lockdowns k\u00f6nnten einige der Lieferketten, die erst vor Kurzem berechenbarer geworden sind, erneut durcheinanderbringen. Mit der Pandemie und dem Angriff auf die Ukraine treffen unterschiedliche Dynamiken zusammen, die die ohnehin schon h\u00f6heren Lebensmittelpreise m\u00f6glicherweise steigen lassen und das Umfeld f\u00fcr D\u00fcngemittel noch weiter eintr\u00fcben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Viele sprechen deshalb von Inflation und Stagflation. In den USA hat die Federal Reserve mit ihren Zinserh\u00f6hungen begonnen und weitere Schritte angek\u00fcndigt.<\/p>\n<h2><strong>Gewinner und Verlierer in den Schwellenl\u00e4ndern<\/strong><\/h2>\n<p>Insgesamt sind Inflation und Stagflation keine gute Nachricht f\u00fcr Schwellenl\u00e4nder. Sie sind bereits gezwungen, ihre geldpolitischen Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckzunehmen und die Zinss\u00e4tze zu erh\u00f6hen. Dies erh\u00f6ht den Druck auf die Finanzbeh\u00f6rden zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es innerhalb der Schwellenl\u00e4nder relative Gewinner und Verlierer.<\/p>\n<p>Rohstoffexporteure k\u00f6nnten im Vergleich besser abschneiden. L\u00e4nder, die \u00d6l und Gas produzieren, wie zum Beispiel Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate k\u00f6nnen einigen dieser Trends trotzen. Metalle wie Platin und Palladium im Falle S\u00fcdafrikas oder landwirtschaftliche Erzeugnisse im Falle Brasiliens haben ebenfalls f\u00fcr eine gewisse Absicherung gesorgt.<\/p>\n<p>Zu den Verlierern geh\u00f6ren L\u00e4nder, die bereits vor der Pandemie mit Finanzproblemen zu k\u00e4mpfen hatten und nun zus\u00e4tzlich unter Druck geraten sind. L\u00e4nder, die von russischen oder ukrainischen Lebensmittel- und Energielieferungen abh\u00e4ngig waren, sind besonders stark betroffen.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei sieht sich aufgrund ihrer wirtschaftspolitischen Entscheidungen bereits unter Druck. \u00c4gypten war gezwungen, seine W\u00e4hrung abzuwerten und hat steigende Subventions- und Importkosten. Viele L\u00e4nder, die auf Rohstoffimporte aus Russland angewiesen sind, werden in eine Wachstumskrise geraten.<\/p>\n<p>Nur wenige Staaten werden von dem Konflikt in der Ukraine unber\u00fchrt bleiben. Russlands Einmarsch in die Ukraine hat die westlichen L\u00e4nder veranlasst, mit enormer wirtschaftlicher H\u00e4rte zu reagieren. Putin hat versucht, sich vor dem Einmarsch gegen solche Sanktionen zu wappnen, sich aber verkalkuliert, worunter die Russen mehr als alle anderen leiden werden. Aber die Folgen des Angriffskriegs treffen alle.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><strong>\u00dcber Rachel Ziemba<\/strong><\/h2>\n<p>Rachel Ziemba ist eine globale Makrostrategin und Expertin f\u00fcr L\u00e4nderrisiken. Sie ist spezialisiert auf die Entwicklung wirtschaftlicher und politischer Szenarien f\u00fcr Verm\u00f6gensverwalter \u00fcber kurz-, mittel- und langfristige Zeithorizonte. Ihr Fachwissen bezieht sich insbesondere auf die Auswirkungen von Wirtschaftssanktionen, Exportkontrollen und Handelsbeschr\u00e4nkungen. Derzeit ist sie Adjunct Senior Fellow f\u00fcr das Center for a New American Security, eine politische Denkfabrik, wo sie an Arbeiten \u00fcber die Auswirkungen von Wirtschaftssanktionen, Handelspolitik und Energiesicherheit mitarbeitet. Au\u00dferdem ist sie Senior Advisor bei Horizon Client Access und Non-Resident Fellow f\u00fcr das Gulf International Forum. Zuvor war sie \u00fcber ein Jahrzehnt lang f\u00fcr Roubini Global Economics t\u00e4tig, wo sie zuletzt vier Jahre lang die Makrostrategieforschung f\u00fcr Schwellenl\u00e4nder leitete. Ziemba sitzt im Vorstand von Enquire.AI, Pamela Harriman Foreign Service Fellowships und dem Heart and Soul Charitable Trust.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Dieser geopolitische Artikel basiert auf der GLG-Telekonferenz &#8222;Russia\u2019s Invasion of Ukraine: Lasting Effects of Sanctions&#8220;. Wenn Sie mit geopolitischen Expertinnen und Experten wie Rachel Ziemba oder einem unserer etwa 1 Million Netzwerkmitglieder sprechen m\u00f6chten, kontaktieren Sie uns bitte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":18463,"template":"","insight-type":[1736],"insights-tag":[1660,1661,1662],"insights-category":[1004],"class_list":["post-33240","insight-article","type-insight-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","insight-type-article","insights-tag-russia-de","insights-tag-russia-ukraine-war-de","insights-tag-ukraine-de","insights-category-global-politics"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article\/33240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/insight-article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"insight-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-type?post=33240"},{"taxonomy":"insights-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-tag?post=33240"},{"taxonomy":"insights-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-category?post=33240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}