{"id":33202,"date":"2022-01-19T18:58:57","date_gmt":"2022-01-19T23:58:57","guid":{"rendered":"https:\/\/glg.tempsite.space\/articles\/how-will-renewable-energy-components-recover-from-the-supply-chain-crisis-2\/"},"modified":"2025-10-21T12:28:47","modified_gmt":"2025-10-21T16:28:47","slug":"how-will-renewable-energy-components-recover-from-the-supply-chain-crisis","status":"publish","type":"insight-article","link":"https:\/\/glginsights.com\/de\/articles\/how-will-renewable-energy-components-recover-from-the-supply-chain-crisis\/","title":{"rendered":"Komponenten f\u00fcr Windkraft-Anlagen: Wie kann sich der Markt von Lieferengp\u00e4ssen erholen?"},"content":{"rendered":"<p>Vor der COVID-19-Pandemie waren sich Experten einig: Energie aus Offshore-Windanlagen wird konkurrenzf\u00e4hig zu fossilen Energietr\u00e4gern \u2013 gut f\u00fcr den Klimaschutz und f\u00fcr die Energiesicherheit. Allerdings: Aktuelle Lieferengp\u00e4sse bei Komponenten bedrohen allein bei den Unternehmen Vestas und SGRE weltweit mehr als 30 Gigawatt an Kapazit\u00e4ten aus erneuerbaren Energien (EE).<\/p>\n<p>Richard Turner, ehemalige CEO der JDR Cables Group, bezeichnet die Herausforderungen als erheblich. Zugleich erkennt er, dass viele Unternehmen sie erstaunlich gut meistern.<\/p>\n<p>&#8222;Eines ist klar: Die Pandemie hat die Business-Pl\u00e4ne von EE-Unternehmen ganz sch\u00f6n auf die Probe gestellt \u2013 und in vielen Bereichen Schwachstellen aufgedeckt, vor allem beim Thema Beschaffung.&#8220;<\/p>\n<p>Sam Stopps, Manager of Client Solutions and Public Equities bei GLG, sprach mit Turner in einer Telefonkonferenz am 17. November 2021. Folgend ein Auszug aus dem Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><strong>Herr Turner, wie hat sich COVID-19 auf die Lieferketten bei erneuerbaren Energien ausgewirkt und wie sieht es aktuell aus?<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten 10 Jahren ging es vor allem darum, die Kosten f\u00fcr Erneuerbare Energie aus Windkraft zu senken. Entwickler von Offshore-Windkraftanlagen haben sich daher bei der Beschaffung von Komponenten oftmals zusammengetan, um bessere Preise zu verhandeln. Aber durch diese teils monopolartige Struktur hatten Lieferschwierigkeiten bei einem Anbieter Auswirkungen auf gleich mehrere Windkraftunternehmen.<\/p>\n<p>Von den Lockdown-Ma\u00dfnahmen weltweit waren die Unternehmen hingegen nicht so sehr betroffen. Die meisten konnten normal weiterarbeiten, da sie als systemkritisch eingestuft wurden.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen waren logistischer Art. Fahrer waren knapp, ebenso Schiffscontainer. Dadurch konnten Auftr\u00e4ge nicht abgewickelt werden \u2013 und das auf einem Markt, der sowieso schon von einem Nachfrage\u00fcberhang gepr\u00e4gt ist. Neubauprojekte bei Offshore-Unternehmen verz\u00f6gerten sich und auch der Betrieb bestehender Windparks war teils kritisch. Aktuell ist der Mangel an Fachkr\u00e4ften das gr\u00f6\u00dfte Problem.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie auf den Mangel an Kabeln f\u00fcr Offshore-Windkraftanlagen eingehen?<\/strong><\/p>\n<p>Hier muss man zwischen Mittelspannungskabeln f\u00fcr die Turbinen und Hochspannungskabel f\u00fcr die sogenannten Exportkabel unterscheiden. Anlagen mit h\u00f6herer Gigawattleistung nutzen gr\u00f6\u00dfere und daher weniger Turbinen, so dass sie technisch gesehen weniger Kabel pro Gigawatt brauchen. Dennoch steigt die Nachfrage nach Mittelspannungskabeln, einfach weil das weltweite Volumen stark zunimmt.<\/p>\n<p>Noch viel schneller aber w\u00e4chst die Nachfrage im Hochspannungsbereich. Ein Grund: Offshore-Anlagen werden immer weiter von der K\u00fcste entfernt gebaut. Um mit dem Land verbunden zu werden, brauchen sie die erw\u00e4hnten Exportkabel. Hinzu kommt, dass man bei Entfernungen von mehr als hundert Kilometern aus Gr\u00fcnden der Effizienz zunehmend neuartige HVDC-Kabel einsetzt, die wiederum auch f\u00fcr die Hochspannungsverbindung von L\u00e4ndern oder Regionen genutzt werden.<\/p>\n<p>Die weltweite Nachfrage nach diesen Hochspannungskabeln steigt daher rasant. Zugleich fehlt es auf der Angebotsseite schlicht an Kapazit\u00e4t. Es wurde zwar investiert, aber nicht ann\u00e4hernd genug, um die L\u00fccke zu schlie\u00dfen. Die meisten Kabelhersteller sind allein mit der Produktion von Kabeln f\u00fcr Unterwasserprojekte oder Landanwendungen ausgelastet.<\/p>\n<p>Und nun kommt noch die steigende Nachfrage nach Offshore-Kabeln f\u00fcr Windkraftanlagen hinzu. Nicht zu vergessen: In den meisten L\u00e4ndern m\u00fcssen die Stromnetze modernisiert werden, und die Elektrifizierung der Eisenbahnen ist in vollem Gange. F\u00fcr Unternehmen wird es immer schwieriger, Kabel innerhalb einer angemessenen Vorlaufzeit zu beschaffen.<\/p>\n<p>Und was wir auch nicht \u00fcbersehen d\u00fcrfen, sind Reparatur und Instandhaltung. Mehrere Versicherungsf\u00e4lle im Zusammenhang mit Kabelfehlern haben die Branche aufhorchen lassen. Mitunter werden Kabel bei der Verlegung besch\u00e4digt oder im Laufe der Zeit durch Trawler, Schiffe, Anker und \u00e4hnlichem. Kurz: Die Welt braucht Kabel und wird sie auch weiterhin brauchen, soweit ich das beurteilen kann.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern haben diese Engp\u00e4sse zu Verz\u00f6gerungen bei Offshore-Windprojekten gef\u00fchrt und wie gehen die Akteure weltweit damit um?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab Verz\u00f6gerungen aus den bereits genannten Gr\u00fcnden. Man muss aber dazu sagen: Windparkprojekte haben lange Entwicklungs- und Bauzeiten von mehr als zehn Jahren. Die Dauer der Pandemie ist also \u2013 bis dato \u2013 zu kurz, um sich auf die Gesamtentwicklung von Windparks auszuwirken. Kurzfristige Effekte gab es aufgrund der Knappheit von Komponenten \u2013 und hier war COVID-19 ein Faktor. Aber die meisten Projektentwickler haben sich sehr gut darauf eingestellt.<\/p>\n<p>Es gibt Themen, die den Unternehmen aktuell viel mehr Sorgen machen. Dazu z\u00e4hlen die Verf\u00fcgbarkeit von Materialien ebenso wie logistische Herausforderungen. Aber auch m\u00f6gliche weitere Lockdowns und die Gewinnung von Mitarbeitern sind Themen. Und nat\u00fcrlich die Frage, ob und in welche neuen Technologien sie investieren sollen. Insgesamt sprechen wir von einer Branche, die unglaublich schnell w\u00e4chst. Die Aussichten f\u00fcr Entwickler, Zulieferer und Anlagenbetreiber sind unglaublich gut.<\/p>\n<p><strong>Wie sehen die aktuellen Lagerbest\u00e4nde bei kritischen Windkraftkomponenten aus? Gibt es Komponenten, die besonders knapp sind?<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Komponenten f\u00fcr Windenergie wird auf Bestellung entwickelt und hergestellt und hat eine Lebensdauer von mehr als 15 Jahren. In dieser Zeitspanne \u00e4ndern sich die Technologien mitunter dramatisch. Das hei\u00dft: Lagerhaltung ist bei Neubauteilen kein gro\u00dfes Thema.<\/p>\n<p>Lagerung ist aber sehr wohl relevant f\u00fcr den Bereich Wartung und Instandhaltung. Windparks, die mehr als zehn Jahre alt sind, m\u00fcssen repariert und \u00fcberholt werden. Turbinen k\u00f6nnen beispielsweise auch eingelagert und sp\u00e4ter wieder genutzt werden. Derzeit entsteht ein Markt f\u00fcr Reparatur, \u00dcberholung, Wartung, Aufr\u00fcstung und Wiederaufbereitung von Komponenten, die dann wie ein Recyclingprodukt weiterverwendet werden k\u00f6nnen. Ich denke, dass hier gewisse Lagerkapazit\u00e4ten erforderlich sein werden. Das betrifft im \u00dcbrigen auch Ersatzteile wie Rotoren, wenn es etwa zu Sturmsch\u00e4den kommt.<\/p>\n<p><strong>Werden die Preise f\u00fcr erneuerbare Energien, vor allem f\u00fcr Windenergie, durch die derzeitige Versorgungskrise und die Projektverz\u00f6gerungen steigen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Preise f\u00fcr Komponenten, Rohstoffe und so ziemlich alles andere sind in letzter Zeit in die H\u00f6he geschossen. Irgendwer muss diese Kosten nat\u00fcrlich am Ende bezahlen. Viele Entwickler haben Vertr\u00e4ge zu einem Basispreis abgeschlossen, k\u00f6nnen die Materialkosten nun aber nicht mehr beeinflussen \u2013 es sei denn, es ist ihnen gelungen, die Preise vertraglich festzuschreiben \u2013 und m\u00fcssen die Kostensteigerungen nun selbst schultern. Das kann Projekte verteuern und damit die Rendite beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Letztendlich glaube ich nicht, dass Angebotspreise bei Ausschreibungen wesentlich steigen werden. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass sie so schnell wie in den letzten Jahren sinken werden.<\/p>\n<p>Bei schwimmenden Windkraftanlagen gehe ich davon aus, dass Kosten sinken werden. Die Technologie ist ja noch in der Demonstrationsphase, das hei\u00dft allein durch Innovationen und Skaleneffekte werden Kostensenkungen erreicht. Was die festen Offshore-Windkraftanlagen betrifft, wird der Preis meiner Meinung nach relativ konstant bleiben. Sobald sich die Weltwirtschaft und die Volkswirtschaften \u2013 vor allem in Europa \u2013 erholen, werden die Preise f\u00fcr Komponenten und Rohstoffe hoffentlich wieder auf ein akzeptables Niveau sinken.<\/p>\n<p><strong>Wirkt sich der derzeitige Arbeitskr\u00e4ftemangel auf das Angebot an Komponenten f\u00fcr erneuerbare Energien aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, denn der Arbeitsmarkt f\u00fcr qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte in Europa ist sehr in Bewegung. Nehmen Sie nur den Brexit: Seither ist es deutlich schwieriger, Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland anzuwerben. Am meisten Sorgen mache ich mir um unser Know-how im Bereich Offshore. Hier brauchen wir die Manpower, um in den n\u00e4chsten zehn Jahren gro\u00dfe Mengen an Gigawatt zu installieren. Es werden Leute gebraucht, die kompetent und qualifiziert sind, auf Offshore-Anlagen sicher zu arbeiten und Installationen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><strong>\u00dcber Richard Turner<\/strong><\/h2>\n<p>Richard Turner ist Chief Executive Officer von Bel Valves und Bel Engineering. Zuvor war er Chief Executive Officer und Chief Operating Officer der JDR Cables Group sowie Vice President of Global Manufacturing bei Technip Umbilical Systems. Richard Turner ist ein f\u00fchrender Experte f\u00fcr Unterwasserkabel und Offshore-Windkraftanlagen.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel basiert auf der GLG-Telekonferenz \u201eRenewable Energy Components Crisis\u201c. Wenn Sie an \u00e4hnlichen Veranstaltungen teilnehmen oder mit Experten wie Richard Turner aus unserem Netzwerk von etwa 1 Million Branchenexperten sprechen m\u00f6chten, kontaktieren Sie uns gerne.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Vollst\u00e4ndige Liste der Fragen, die w\u00e4hrend der Telefonkonferenz gestellt wurden:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>K\u00f6nnen Sie erl\u00e4utern, wie die Lieferketten f\u00fcr erneuerbare Energien durch COVID-19 und die aktuelle Krise der Lieferketten beeinflusst wurden?<\/li>\n<li>Gehen Sie davon aus, dass mit der neuen Generation von Windturbinen, die entwickelt und installiert werden, die einzelnen Komponenten langlebiger werden und die Ausfallraten bei Windturbinen sinken? Oder ist damit zu rechnen, dass die Ausfallraten aufgrund der h\u00f6heren Belastung der einzelnen Komponenten sogar noch steigen werden?<\/li>\n<li>K\u00f6nnen Sie speziell auf den Mangel an Kabeln f\u00fcr Offshore-Windkraftanlagen eingehen? K\u00f6nnen Sie auch etwas zu einigen der gro\u00dfen Hersteller sagen und wie sie in diesem Bereich positioniert sind?<\/li>\n<li>Wurden und werden derzeit Projekte verz\u00f6gert und zur\u00fcckgestellt? Wie kommen einige der bestehenden Akteure damit zurecht?<\/li>\n<li>Gibt es bestimmte Komponenten, von denen Sie glauben, dass sie derzeit knapper sind als andere?<\/li>\n<li>K\u00f6nnen Sie auf die aktuelle Versorgungskrise und die Verz\u00f6gerungen bei Projekten eingehen? Glauben Sie, dass dies zu einem Anstieg der Preise f\u00fcr erneuerbare Energien, insbesondere f\u00fcr Offshore-Windkraftanlagen, f\u00fchren k\u00f6nnte, oder dass dies keine Auswirkungen auf die Preise haben wird?<\/li>\n<li>K\u00f6nnen Sie etwas dazu sagen, ob der derzeitige Arbeitskr\u00e4ftemangel Auswirkungen auf die Versorgung mit Komponenten f\u00fcr erneuerbare Energien hat? Ich wei\u00df, dass viele Branchen vom Mangel an Lkw-Fahrern und auch von einem Mangel an Fachkr\u00e4ften betroffen sind. K\u00f6nnten Sie uns mitteilen, ob sich dies speziell auf die Lieferketten f\u00fcr erneuerbare Energien ausgewirkt hat?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":18128,"template":"","insight-type":[1736],"insights-tag":[1656],"insights-category":[1039],"class_list":["post-33202","insight-article","type-insight-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","insight-type-article","insights-tag-supply-chain-de","insights-category-energy-and-industrials-industry-content"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article\/33202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/insight-article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"insight-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-type?post=33202"},{"taxonomy":"insights-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-tag?post=33202"},{"taxonomy":"insights-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-category?post=33202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}