{"id":33034,"date":"2021-06-04T15:22:02","date_gmt":"2021-06-04T19:22:02","guid":{"rendered":"https:\/\/glg.tempsite.space\/articles\/assessing-the-impact-of-the-eus-taxonomy-regulation-2\/"},"modified":"2025-10-21T12:28:49","modified_gmt":"2025-10-21T16:28:49","slug":"assessing-the-impact-of-the-eus-taxonomy-regulation","status":"publish","type":"insight-article","link":"https:\/\/glginsights.com\/de\/articles\/assessing-the-impact-of-the-eus-taxonomy-regulation\/","title":{"rendered":"Die Auswirkungen der EU-Taxonomie-Verordnung"},"content":{"rendered":"<p>Im Juli 2020 ist die Taxonomie der Europ\u00e4ischen Union in Kraft getreten. Die Taxonomie ist weltweit das erste Klassifizierungssystem f\u00fcr Finanzprodukte, die \u00f6kologisch nachhaltig wirken bzw. ihren Nachhaltigkeitscharakter betonen. Basis ist eine einheitliche Begrifflichkeit. Um zu verstehen, wie sich die Taxonomie unter anderen auf diese Finanzprodukte und deren Emittenten auswirkt, hat Jaid Longmore, GLG Client Solutions Manager in EMEA, Ende Mai eine Telefonkonferenz mit dem GLG Experten Christopher Boyd organisiert. Boyd ist nicht nur Fachmann f\u00fcr erneuerbare Energien, sondern auch ehemals leitender Beamter in der Umweltabteilung der Europ\u00e4ischen Kommission (vgl. Vita weiter unten). Es folgen Ausz\u00fcge aus der Diskussion.<\/p>\n<p><strong>Chris, k\u00f6nnten Sie zu Beginn einige Hintergrundinformationen geben?<\/strong><\/p>\n<p>Generell erleben wir weltweit ein Umdenken. Nachhaltigkeit und Environmental Social Governance (ESG) werden zunehmend als etwas Positives und nicht mehr als etwas Negatives gesehen. F\u00fcr die EU ist die Taxonomie Teil ihrer Bestrebung, Kapital in Richtung wirklich gr\u00fcner Investitionen zu lenken und nicht-nachhaltige Strategien im Sinne eines Greenwashings zu unterbinden. Au\u00dferdem sollen Langfristigkeit und in gewissem Sinne auch ein besseres Management von Nachhaltigkeit gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Die Verordnung \u00fcber nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor \u2013 kurz SFDR \u2013 ist die erste S\u00e4ule der EU-Bem\u00fchungen. Sie wurde im Dezember 2019 ver\u00f6ffentlicht und wird nun angewendet. Die Verordnung definiert notwendige Ver\u00f6ffentlichungspflichten zu Nachhaltigkeitsbelangen in Prospekten, Portfolioverwaltungsvertr\u00e4gen, Jahresberichten und anderen Finanzdokumenten. Die zweite wichtige S\u00e4ule ist die Taxonomie-Verordnung, bei der noch viele technische Details gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig sind lediglich Ma\u00dfnahmen zur Abschw\u00e4chung des Klimawandels bzw. zur Anpassung an diesen erfasst. Andere Umweltaspekte werden sp\u00e4ter hinzukommen, ebenso wie soziale Aspekte und Governance-Belange. Die Taxonomie ist regelbasiert, sehr detailliert und umfasst mehrere technische Anh\u00e4nge. Wenn Sie sich beispielsweise die Anforderungen zur Kompostierung von Bioabf\u00e4llen anschauen, finden Sie \u00e4u\u00dferst komplizierte Vorgaben. F\u00fcr betroffene Unternehmen und Investmentmanager wird es eine echte Herausforderung, die entsprechenden Unternehmensdaten bereitzustellen bzw. zu erhalten, so dass sie hier ihre eigenen vielf\u00e4ltigen Vorgaben erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zwei weitere Probleme. Erstens gilt die Taxonomie-Verordnung wegen des Brexit nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr das Vereinigte K\u00f6nigreich, das nun ein eigenes Regelwerk erarbeiten will. Auch wenn wahrscheinlich viel von den EU-Vorgaben \u00fcbernommen wird: Jeder britische Fonds, der in der EU vertrieben wird, muss die Taxonomie-Verordnung der EU komplett einhalten. Ich will auch darauf hinweisen, dass der US-Kongress die US-B\u00f6rsenaufsichtsbeh\u00f6rde SEC aufgefordert hat, \u00e4hnliche Kriterien in den USA zu entwickeln. Es besteht also die Gefahr, dass in Nordamerika und Europa unterschiedliche Vorgaben gelten und damit Auslegungsprobleme entstehen.<\/p>\n<p>Zweitens sollte die Taxonomie f\u00fcr Unternehmensemittenten und Verm\u00f6gensverwalter eigentlich f\u00fcr mehr Klarheit bei der Frage sorgen, was als gr\u00fcn bezeichnet werden darf. Aber es wird gro\u00dfe Probleme mit der Zuverl\u00e4ssigkeit der Daten geben: Haben die Unternehmen alle Daten, die ben\u00f6tigt werden? Wie werden sie sie erhalten? Werden die Daten kontrolliert? Wie transparent werden sie sein? Sollten die Unternehmen die Daten selbst bereitstellen? Und wenn ja: Wie wird das dann kontrolliert? Wer pr\u00fcft diese Prozesse? Wird es ESG-Rating-Agenturen geben? Dies sind alles ungel\u00f6ste Fragen.<\/p>\n<p><strong>Wie sollte ein Unternehmen bewertet werden, das nach der Taxonomie f\u00f6rderf\u00e4hige Aktivit\u00e4ten erm\u00f6glicht, selbst aber nicht f\u00f6rderf\u00e4hig ist?<\/strong><\/p>\n<p>Die Taxonomie geht in einem ihrer Anh\u00e4nge auf diese Frage ein. Wenn ein Unternehmen Widgets herstellt, die wesentlich zur CO2-Reduzierung bei anderen Unternehmen beitragen und dabei unersetzlich sind, kann es in ein gr\u00fcnes Portfolio aufgenommen werden. All dies muss mit Hilfe einer Lebenszyklusanalyse nachgewiesen und von einer dritten Partei validiert werden. Das wird nicht einfach werden. Aber das betreffende Unternehmen wird sich vermutlich damit befassen. Oder es wird eine Art Standard &amp; Poor&#8217;s der ESG-Welt auftauchen und dies tun.<\/p>\n<p><strong>Wann m\u00fcssen Unternehmen und Finanzmarktteilnehmer damit beginnen, Angaben auf der Grundlage der Taxonomie-Verordnung zu machen?<\/strong><\/p>\n<p>Im Moment ist die Frist f\u00fcr den Beginn der Offenlegung noch der 1. Januar 2022 \u2013 was wie morgen erscheint. Auch wenn die EU-Kommission das offiziell nicht will: Vor dem Hintergrund der Gespr\u00e4che in Br\u00fcssel w\u00fcrde es mich nicht \u00fcberraschen, wenn es zu einer Art Aufschub kommt. Und dass die Regeln wegen der anhaltenden Unklarheiten zu Beginn nicht zu streng angewendet werden und es somit einen gewissen Spielraum geben wird. Dennoch m\u00fcssen die meisten Verwalter gr\u00fcner Fonds jetzt anfangen, sich ernsthaft Gedanken zu machen.<\/p>\n<p><strong>Sie haben es kurz angesprochen: Welche extraterritoriale Reichweite wird die Taxonomie-Verordnung haben?<\/strong><\/p>\n<p>Nehmen wir einen gr\u00fcnen EU-Fonds oder einen hier vertriebenen Fonds, der in ein US-Unternehmen investiert. In diesem Fall muss der Fondsmanager sicherstellen, dass das Unternehmen einen wesentlichen Beitrag gem\u00e4\u00df der EU-Taxonomie leistet. In diesem Sinne haben die Regeln eine extraterritoriale Reichweite. Denn nur wenn das Unternehmen \u2013 sagen wir ein Biokompostierungsunternehmen in den USA \u2013 die EU-Taxonomie einh\u00e4lt, werden mehr Menschen auch in Europa seine Aktien kaufen. Selbst, wenn es in den USA liegt.<\/p>\n<p>Genauso werden es EU-Fonds handhaben, die in europ\u00e4ische Unternehmen mit Gesch\u00e4ftsfeldern au\u00dferhalb der EU investieren: Sie werden darauf pochen, dass die Aktivit\u00e4ten dieser Unternehmen gem\u00e4\u00df den Kriterien der Taxonomie immer noch einen wesentlichen Beitrag zur Eind\u00e4mmung des Klimawandels leisten.<\/p>\n<p><strong>Gibt es eine M\u00f6glichkeit, eine weltweite Harmonisierung der Taxonomien zu gew\u00e4hrleisten?<\/strong><\/p>\n<p>Verschiedene Gremien versuchen, dies zu koordinieren. Die Politiker in Br\u00fcssel nutzen auch sehr \u00e4hnliche Begrifflichkeiten wie die Umweltfachleute in Washington. Dennoch sind wir weit voneinander entfernt und es wird Unterschiede geben. Die Sache ist kompliziert und es besteht die gro\u00dfe Gefahr, dass es unterschiedliche Standards mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten geben wird.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><strong>\u00dcber Christopher Boyd<\/strong><\/h2>\n<p>Christopher Boyd war leitender Beamter in der Umweltabteilung der Europ\u00e4ischen Kommission in Br\u00fcssel. Seine Arbeitsschwerpunkte in der Umweltpolitik waren gr\u00fcne Investmentkriterien, erneuerbare Energien, Emissionshandel, Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und biologische Vielfalt. Bevor er 2011 zur Europ\u00e4ischen Kommission zur\u00fcckkehrte, arbeitete Boyd zwischenzeitlich mehr als zehn Jahre im Bereich der erneuerbaren Energien und eignete sich Fachwissen im Bereich transnationaler Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse und deren Umsetzung in ganz Europa an. Er war Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer f\u00fcr Italien bei Airtricity (jetzt SSE Renewables), einem britischen Unternehmen, das europaweit Windparks entwickelt und betreibt. Dort hat er insbesondere ein Joint Venture mit einem lokalen Partner in S\u00fcditalien ausgehandelt und umgesetzt. Zuvor war er bei der EU mit verschiedenen makro\u00f6konomischen Fragen befasst, unter anderem mit der Einf\u00fchrung des Euro.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Dieser Artikel basiert auf der GLG Telekonferenz vom 24. M\u00e4rz 2021 \u201eThe European Union&#8217;s ESG Taxonomy: What Is Green?&#8220; <\/em><a href=\"https:\/\/glg.it\/contact-us\/?_ga=2.263522831.240844353.1617642413-810100825.1608306049&amp;_gac=1.152378827.1616952440.Cj0KCQjw0oCDBhCPARIsAII3C_HqiLa8hAlM0bHP9IFRwZcYNXavIrRzuYIiaK42Oj0aFUmvLTiVwmcaAkt3EALw_wcB\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><em>Kontaktieren Sie uns<\/em><\/a><em>, wenn Sie Zugang zum Mitschnitt erhalten oder mit dem Finanzindustrieexperten Christopher Boyd sprechen m\u00f6chten. Zudem k\u00f6nnen wir Sie mit einem unserer etwa 1 Million Branchenexpertinnen und -experten zusammenbringen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":17093,"template":"","insight-type":[1736],"insights-tag":[1634],"insights-category":[1004],"class_list":["post-33034","insight-article","type-insight-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","insight-type-article","insights-tag-emea-de","insights-category-global-politics"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article\/33034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/insight-article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17093"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"insight-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insight-type?post=33034"},{"taxonomy":"insights-tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-tag?post=33034"},{"taxonomy":"insights-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/glginsights.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights-category?post=33034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}